Pflege-Akademisierung

„Fachkräfte werden nicht verdrängt“

Die Pflege benötigt mehr Akademiker. Das fordert Ingrid Darmann-Finck, Professorin für Pflegewissenschaften an der Uni Bremen. Im Wohlfahrt Intern-Interview (Ausgabe 04/14) erklärt sie, dass sie bei der Umsetzung ein abgestuftes Ausbildungssystem für sinnvoll hält, das Zugänge auf verschiedenen Bildungsebenen ebenso schafft wie attraktive Aufstiegschancen.

Ingrid Darmann-Finck

BERLIN – Uni-Bildung sei vor allem dort nötig, wo es um innovative Verbesserungen in der Pflege gehe, berichtet Darmann-Finck. Dafür fehle examinierten Fachkräften schlicht die Qualifikation. „Die Idee ist, akademisch ausgebildete Pflegekräfte dort einzusetzen, wo Standardlösungen nicht greifen“, erläutert die Expertin. Darüber hinaus sei es in ihren Augen Sache von Akademikern, systemische Beratung, Anleitung und Schulung sowohl von Patienten als auch von Angehörigen zu übernehmen oder aber im Case Management zu arbeiten.

Aufgaben-Trennung schwierig

Gleichwohl gibt sie zu bedenken: „Pflegetätigkeiten lassen sich nicht strikt voneinander trennen.“ So müsse man versuchen, die Aufgabenverteilung zwischen Akademikern und Ausgebildeten beispielsweise an den Diagnosen festzumachen: „Patienten mit komplizierten Wunden etwa müssten dann von akademischen Pflegekräften versorgt werden.“ Gute Erfahrungen mit dieser Methode habe man in den Niederlanden gemacht. Dort würde die Linie zwischen „komplexen“ und „hochkomplexen“ Pflegesituationen gezogen.

Forschung mit praktischem Hintergrund

Die Professorin kennt ihr Forschungsgebiet aus eigener beruflicher Praxis: Vor ihrem Studium machte die heute 49-Jährige selbst eine Ausbildung zur Krankenschwester. Seit 2003 arbeitet sie am Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen, wo sie die Abteilung Qualifikations- und Curriculumforschung sowie die Studiengänge Pflegewissenschaft (BA) sowie Berufspädagogik Pflegewissenschaft (MA) verantwortet.

Bremser mit Eigeninteressen

Eine differenzierte Abstufung der Pflegeberufe mit akademischen Pflegekräften an der Spitze scheitere bislang daran, dass es zu viele Widersacher mit eigenen Interessen gibt. So fürchte die Ärzteschaft beispielsweise um ihren Machterhalt. Gewerkschaften stünden dem Modell skeptisch gegenüber, weil sie Angst vor einer Dequalifizierung der Nicht-Akademiker hätten. Nicht zuletzt hätten auch die Träger Vorbehalte. „Akademisches Personal kostet Geld – und bei Trägern ist das Kostenargument leider häufig entscheidend“, so Darmann-Finck. Sie hält dagegen: „International belegen Studien, dass mit der Erhöhung des Anteils an hochschulisch ausgebildetem Pflegepersonal eine Verbesserung der Patientenergebnisse einhergeht. Außerdem werden negative Ereignisse, wie Komplikationen nach Operationen, verringert. Das spart Kosten.“ ols

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