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Integration
Aktualisiert am 04.09.2020 - 05:43

Rekrutierung aus dem Ausland richtig planen

Pflegedienstleiterin Salihspahic © 365 Grad Häusliche Kranken- und Fachpflege

Die Gewinnung von Pflegekräften aus anderen Ländern birgt Hürden. Wie die Integration nachhaltig gelingt, erklärt Pflegedienstleiterin und Expertin für Auslandsakquise Vasva Salihspahic.

Die Rekrutierung von Pflegekräften aus dem Ausland stellt trotz aller Hürden und Herausforderungen eine gleichwertige Alternative zur Rekrutierung von inländischen Fachkräften dar. Das Sozialunternehmen ,365 Grad Häusliche Kranken- und Fachpflege‘ investiert in die Auslandsakquise, um eine qualitätssichernde und patientenorientierte Pflege zu leisten. Dazu kooperiert ,365 Grad‘ mit dem eigens gegründeten Bildungsträger Perspektiva, der aus einem kleinen Pilotprojekt zu einem Marketinginstrument wurde: 62 Mitarbeitende hat der Krankenpflegedienst seit 2017 akquiriert, davon arbeiten 32 bereits als examinierte Pflegekräfte im Unternehmen. Die anderen 30 Teilnehmenden befinden sich aktuell noch in Anerkennungsmaßnahmen bei der Perspektiva. Die Bewerber und Bewerberinnen sind aus den Balkanstaaten eingereist. Die Bundesagentur für Arbeit beteiligt sich an den Lehrgangskosten und zahlt Lohnkostenzuschüsse.

Seriöse Vermittlungsagentur wählen

Beim ersten Schritt, der Suche nach Pflegefachkräften aus dem Ausland, unterstützen seit einigen Jahren das Projekt ,Triple Win‘ der Zentralen Auslandsvermittlung (ZAV) und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Auch private Vermittlungsagenturen sind in verschiedenen Ländern unterwegs. Bei der Wahl einer Vermittlungsagentur ist es besonders wichtig, dass diese seriös ist und mit fairen und transparenten Vermittlungsverfahren und Abläufen sicherstellt, dass die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden.

Das suchende Sozialunternehmen sollte sein Firmenleitbild und die Wohnumgebung für die potenziellen Beschäftigten beim Vermittler hinterlegen, damit dieser die Informationen an die Bewerbenden weitergeben kann. Diese sind vorsichtiger geworden, da sich herumgesprochen hat, dass noch sehr viele schwarze Schafe auf dem Vermittlungsmarkt unterwegs sind. Umso wichtiger ist die Außenpräsenz des Unternehmens, damit aus gewonnenen Bewerbenden langfristige Mitarbeitende werden. Auslandsakquise kann kein Sozialunternehmen nebenbei erledigen. Es braucht eine Projektleitung mit dem Schwerpunkt Integrationsarbeit, die alle Aufgaben vom Visarecht über Einreiseplanung, Anerkennung der Ausbildung und Wohnungssuche professionell plant und durchführt. Wenn sich Einreisende an den vielen Schnittstellen allein gelassen fühlen, nicht ausreichend informiert werden oder Abläufe nicht klar definiert und kommuniziert sind, verlassen die Mitarbeitenden das Unternehmen wieder, bevor sie überhaupt richtig angekommen sind. So wird die Akquise zur Fehlinvestition.

Bildungsträger einbeziehen

Eine Projektleitung sorgt dafür, dass kooperierende Bildungsträger zur richtigen Zeit einbezogen werden und die Abläufe ineinander fließen. Dies vermittelt Sicherheit, schafft früh eine Mitarbeiterbindung und spart am Ende der Einrichtung viel Zeit und Geld. Im Mittelpunkt stehen die Anerkennungsmaßnahmen der ausländischen Ausbildung. Denn zu oft scheitert die Fachkräftegewinnung daran, dass ausländische Bildungsabschlüsse nicht als gleichwertig mit der deutschen Ausbildung anerkannt werden. ,365 Grad‘ fordert ein B1-Sprachniveau sowie die Teilanerkennung von Ausbildung und Berufserfahrung durch die Bezirksregierung, ehe es die Einreise nach Deutschland organisiert. Der Bildungsträger Perspektiva hat ein Konzept nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) entwickelt, welches die Teilnehmenden lückenlos und AZAV-zertifiziert in die Gleichwertigkeit und damit in das Examen zur Pflegefachkraft führt.

Bundesagentur für Arbeit bietet Unterstützung

Der letzte und mitunter wichtigste Aspekt für die Nachhaltigkeit der Mitarbeiterzufriedenheit ist die Integration in das Leben und Arbeiten in Deutschland. Die Einarbeitung in die jeweilige Abteilung durch einen Praxisanleiter nach erfolgreicher Anerkennung stellt ein wichtiges Instrument der Integrationsarbeit dar. Nur wenn Mitarbeitende sich von neuen Kollegen und Patienten wertgeschätzt fühlen, werden sie im Sozialunternehmen bleiben. Für die Anforderungen an die Verwaltung und den Pflegealltag, die der Einsatz von Fachkräften aus dem Ausland mit sich bringt, bietet die Bundesagentur für Arbeit umfangreiche Unterstützung. Projekte zur Integration durch Qualifikation sind eine Chance für pflegerische Einrichtungen, langfristig auf dem Markt zu bestehen und zu expandieren. ,365 Grad‘ wird diese Chance weiter nutzen.

Die Autorin:

Vasva Salihspahic ist Pflegedienstleiterin und Projektleiterin Auslandsakquise bei ,365 Grad Häusliche Kranken- und Fachpflege Marianne Weiß‘ und Geschäftsführerin des Bildungsträgers Perspektiva in Remscheid. vasvasalihspahic(at)365grad.net

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