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Personalmanagement
Aktualisiert am 03.03.2021 - 10:44

Mitarbeitende unterstützen

Berater Schütze © ngo-consult

Wenn Mitarbeitende in Intensivbetreuungen an ihre Grenzen kommen, kann es zu Fehlverhalten kommen. Berater Karl Schütze gibt 10 Tipps, wie Einrichtungen vorbeugen können.

Berichte über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im sozialen Hilfesystem verstören und machen betroffen. Insbesondere Einrichtungen der Intensivbetreuung scheinen - bei aller Aufgeklärtheit - unter bestimmten Umständen anfällig für Fehlentwicklungen zu sein, da es hier immer wieder Situationen des individuellen Ausnahmezustandes geben kann. Insbesondere bei Menschen mit stark eingeschränktem Kommunikationsvermögen ist dies der Fall.

Kommen Mitarbeitende hier an ihre Leistungs- und Toleranzgrenzen, können Grenzüberschreitungen die Folge sein. Hilfesysteme können so schnell zu hermetischen Systemen werden, in denen Rechte von Bewohnern vernachlässigt oder gar gebrochen werden.

Die Frage ist, wie Strukturen und Bedingungen beschaffen sein müssen, um das Risiko solcher Entwicklungen für Mitarbeitende und Klientel weitestgehend zu minimieren. Zehn Faktoren spielen eine Rolle.

  1. 1. Genügend Fachkräfte einstellen
    Gute Arbeitsbedingungen beginnen in der Intensivbetreuung mit sehr guten Personalschlüsseln. Nur bei einer großzügigen Personalausstattung stoßen Mitarbeitende nicht an ihre Leistungsgrenzen und können stets kollegiale Hilfe in Anspruch nehmen.
     
  2. 2. Gut bezahlen
    Finanzielle Wertschätzung spielt bekanntermaßen eine wichtige Rolle, um sich in der eigenen Leistung gewürdigt und unterstützt zu fühlen.
     
  3. 3. Mitarbeitende weiterbilden
    Laufende Fortbildungen sorgen dafür, dass Mitarbeitende sich kontinuierlich weiterentwickeln und Wissen vertiefen können. Sie sind die Grundlage für souveränes, fachlich richtiges Verhalten in Krisensituationen.
     
  4. 4. Supervision anbieten
    Die unabhängige regelmäßige Fachsupervision sollte heute als fachlicher Standard gelten. Supervisionen unterstützen Mitarbeitende dabei, das eigene Verhalten zu reflektieren und Strategien für den Umgang mit schwierigen Situationen zu finden.
     
  5. 5. Team stärken
    Kollegiale Beratung innerhalb der Mitarbeiterschaft ist ein einfaches, zugleich sehr effektives Instrument, eine offene Kultur für den Umgang mit Grenzkonflikten zu schaffen. Dies vertieft die Teamarbeit und stärkt den Mitarbeitenden den Rücken.
     
  6. 6. Leitbild etablieren
    Eine besondere Bedeutung kommt der Entwicklung eines von allen getragenen Leitbildes zu, das Einrichtungen gemeinsam mit der Mitarbeiterschaft und möglichst auch mit den zu betreuenden Personen entwickeln sollten. Zentral sind klare Aussagen zu Integrität und Würde der Klientinnen und Klienten. Das Leitbild sollte glaubhaft eine konkrete alltagstaugliche Haltung auf Augenhöhe gegenüber der Klientel ausdrücken und sich nicht hinter allgemeinen, ideologischen oder religiösen Begriffen verstecken.
     
  7. 7. Kritik zulassen
    Einrichtungen brauchen ein professionelles und anonymisiertes internes Beschwerdemanagement für Mitarbeitende, Klientinnen und Klienten sowie Angehörige, um eine frühzeitige Weitergabe oder Thematisierung von kritischen Beobachtungen zu gewährleisten. Das System muss mögliche Berichtgeber nachvollziehbar schützen.
     
  8. 8. Klienten eine Stimme geben
    Träger müssen über eine verfasste und unabhängige Instanz der Patientenfürsprecher verfügen, die in die fachlichen Beratungen der Leitungs- bzw. Aufsichtsgremien eingebunden ist.
     
  9. 9. Angehörige beteiligen
    Ebenso müssen Angehörige eine unabhängige Vertretung in die Beratungen der Leitungsgremien entsenden.
     
  10. 10. Aufsicht verstärken
    Besondere Vorkehrungen und Aufsichtsmaßnahmen sind bei Freiheitseinschränkungen schon per Gesetz vorgegeben. Zusätzlich sollte eine Kommission unter Beteiligung von Patientenfürsprechern und Angehörigenvertretern zur Verfügung stehen, die betreffende Fälle täglich begutachtet, gemeinsame Empfehlungen ausspricht und die richterliche Instanz in ihrer Aufsicht unterstützt.

Werden diese 10 Regeln eingehalten, ist weitestgehend gewährleistet, dass es keine rechtswidrigen Entwicklungen in hermetischen Einrichtungen gibt. Die Maßnahmen ermöglichen einen ständigen Austausch zwischen Klienten, Angehörigen, Fachkräften und Leitung und berücksichtigen  alle Perspektiven - zum Wohle der Klientinnen und Klienten.

Der Autor:

Karl Schütze ist Inhaber des Beratungsunternehmens NGO-consult.

k.schuetze(at)ngo-consult.de
www.ngo-consult.de

 

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