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Vergütungsstudie
Aktualisiert am 18.08.2020 - 08:47

Einrichtungsleitungen freigemeinnütziger Träger verdienen mehr

Contec-Geschäftsführer Müller, Expertin für Sozialmanagement Moos © Contec

Eine aktuelle Vergütungsstudie des Beratungshauses Contec richtet den Blick auf die Gehälter in der stationären Altenhilfe. Die beiden Autoren Gabriele Moos und Thomas Müller kommen zu interessanten Ergebnissen.

Die contec Vergütungsstudie 2019 liefert Vergleichswerte für das Bruttogesamtgehalt und die verschiedenen Gehaltskomponenten der befragten Einrichtungsleitungen sowie Pflegedienstleitungen. Dabei wird stets die Einrichtungsgröße als wichtiger Einflussfaktor berücksichtigt – gemessen an Beschäftigten, vollstationären Betten/Plätzen und Umsatz. Die Studie erhebt nicht den Anspruch, im statistischen Sinne repräsentativ zu sein. Sie bietet aber eine gute Orientierung für Führungskräfte und deren Gehaltsverhandlungen sowie für Arbeitgeber, die sich im Wettbewerb einordnen wollen.

Die Studie legt den Fokus auf die Vergütung von Einrichtungsleitungen. In einem Sonderteil wird diese Vergütung auch in Relation zur Position der Pflegedienstleitung gesetzt. Mit dem Median und dem arithmetischen Mittel werden für die Gehaltsangaben zwei Mittelwerte sowie das 75-Prozent-Quantil angegeben. Eine angemessene Vergütung liegt im Bereich zwischen Median und 75-Prozent-Quantil. Auch in der Rechtsprechung im Rahmen externer Vergleiche werden Median und 75-Prozent-Quantil herangezogen, um die Angemessenheit der Vergütung von Geschäftsführungen zu prüfen. Sie bilden also einen guten Vergleichsrahmen.

Die Einrichtungsgröße ist entscheidend

Das Bruttogesamtgehalt liefert die größtmögliche Vergleichbarkeit der Vergütung in der Branche. Es umfasst neben dem Jahresfestgehalt variable oder leistungsbezogene Vergütungen, Firmenwagen zur privaten Nutzung, eine betriebliche Altersversorgung oder sonstige materielle Zusatzleistungen.

Bei den befragten Einrichtungsleitungen lag das Bruttogesamtgehalt bezogen auf das Jahr 2018 bei 67.875 Euro im Median. Diesem Wert liegt eine Einrichtungsgröße von 100 Beschäftigten, 60 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) und 90 vollstationären Betten/Plätzen zugrunde. Die Studienergebnisse zeigen deutlich folgenden Zusammenhang: Je größer die Einrichtung, desto größer das Bruttogesamtgehalt. Hier lässt sich auch eine Parallele zur letzten contec Top-Management-Studie ziehen.

In der Stichprobe zeigten sich weitere Faktoren, die Einfluss auf Gehaltsunterschiede haben. Diese lassen sich zwar zum Teil auf unterschiedliche Einrichtungsgrößen zurückführen, jedoch nicht überall und auch nicht immer im vollen Umfang. So verdienten Frauen laut Befragung im Median 63.900 Euro, ihre männlichen Kollegen dagegen 73.200 Euro pro Jahr. Laut Studienergebnissen ist auch der Blick auf die Trägerschaft interessant: Einrichtungsleitungen freigemeinnütziger Träger verdienten mehr als Einrichtungsleitungen privater oder öffentlicher Träger. Ein möglicher Anhaltspunkt für die höhere Vergütung bei freigemeinnützigen Trägern könnten die jeweiligen Tarifverträge sein.

Nur rund ein Drittel erhält variable Vergütungen

Das Jahresfestgehalt war zumeist ausschlaggebend für das Bruttogesamtgehalt der Befragten. Der Anteil am Gesamtgehalt lag im Median bei 95 Prozent. Die Einrichtungsleitungen erhielten im Median ein Jahresfestgehalt von 64.000 Euro. Das Jahresfestgehalt schließt Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie ein 13. oder 14. Monatsgehalt mit ein.

Variable Vergütungen als Gehaltsbestandteile waren unter den befragten Einrichtungsleitungen eher weniger verbreitet. Mit 34 Prozent erhielt nur rund ein Drittel der Befragten eine solche Gehaltskomponente. Diese lag dann im Median bei 4.500 Euro pro Jahr bei einer Einrichtungsgröße von 107 Beschäftigten, 70 VZÄ und 117 Betten/Plätzen.

Auch Zusatzleistungen als weitere Gehaltskomponenten fragte das Autoren-Team ab. 65 Prozent der Einrichtungsleitungen erhielten einen Arbeitgeberzuschuss in Form von Beitragszahlungen an Pensions- und Unterstützungskassen, Direktversicherungen oder Lebensversicherungen. Dieser lag im Median bei 1.500 Euro pro Jahr. Etwa einem Drittel der Befragten stellte der Arbeitgeber einen Firmenwagen auch zur privaten Nutzung zur Verfügung.

Pflegedienstleitungen: 20 Prozent weniger

Das Bruttogesamtgehalt der befragten Pflegedienstleitungen betrug 2018 im Median 54.211 Euro. Damit verdienten die Pflegedienstleitungen rund 20 Prozent weniger als die befragten Einrichtungsleitungen. Allerdings kamen die Befragten hier auch aus durchschnittlich etwas kleineren Einrichtungen. So liegt hier eine Einrichtungsgröße von im Median 75 Beschäftigten, 46 VZÄ sowie 80 vollstationären Betten/Plätzen zugrunde.

Auch für Pflegedienstleitungen zeigt sich der Zusammenhang, dass die Gesamtvergütung in größeren Einrichtungen höher ist. Die Zusammensetzung des Gesamtgehalts ist bei den Pflegedienstleitungen noch stärker durch das Jahresfestgehalt geprägt als bei den Einrichtungsleitungen.

„Im Großen und Ganzen zufrieden“

Interessant sind schließlich auch die Antworten der befragten Einrichtungsleitungen zur Einschätzung des eigenen Arbeitsplatzes. Zwei Drittel waren zum Zeitpunkt der Befragung mit ihrem Arbeitsplatz im Großen und Ganzen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Lediglich 12 Prozent gaben an, unzufrieden oder sehr unzufrieden zu sein. Allerdings waren nur 57 Prozent der Befragten der Auffassung, ein angemessenes Gehalt zu bekommen.

Die contec GmbH hat die aktuelle Vergütungsstudie mit dem IEGUS – Institut für europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft und Prof. Dr. Gabriele Moos von der Hochschule Koblenz veröffentlicht. Das Feedback auf die Befragung war mit rund 650 Antworten groß. Nicht alle Antworten konnten jedoch in die statistische Auswertung einfließen. Insgesamt konnte das Autoren-Team die Daten von 226 Befragten für die Studie aufbereiten.

Info: „contec Vergütungsstudie 2019. Was verdienen Einrichtungsleitungen der stationären Altenhilfe? Ausführliche Ergebnisdarstellung“:Die Studienergebnisse können unter www.contec.de oder per Anfrage an kontakt(at)contec.de als E-Paper für 19,95 Euro erworben werden.

Autor*innen:
Nico Dahm, Benjamin Herten, Philipp Heinen, Prof. Dr. Gabriele Moos, Dr. Thomas Müller


 

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