Generalistik

Sieben Tipps für die neue Pflegeausbildung

Das Pflegeberufegesetz und die dazugehörige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sind verabschiedet. Schulen und Träger der praktischen Ausbildung müssen sich in der verbleibenden Zeit bis zum Inkrafttreten des Gesetzes auf die zentralen Herausforderungen einstellen.

Jochen Vennekate, Geschäftsführer der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe Aachen am Luisenhospital © BLGS

Die Umsetzung der Reform verlangt umfassende Maßnahmen der pädagogischen, organisatorischen und personellen Schulentwicklung. Womit sollten Träger beginnen und worauf sollten sie zum jetzigen Zeitpunkt besonders achten? Mit den folgenden sieben Tipps gelingt die Umstellung garantiert:

1. Informieren und beraten: Bevor Ausbildungsbetriebe Entscheidungen treffen und Veränderungen gestalten, müssen sie alle Beteiligten über die Neuerungen ausreichend informieren. Das gilt für Träger und Gesellschafter, das Lehrerteam, die Kooperationspartner, die Bewerber und die Öffentlichkeit. 

2. Strategische Entscheidungen treffen:
Gemeinsam mit Trägern und Gesellschaftern sind begründete Entscheidungen zu treffen, welche Bildungsgänge in Zukunft angeboten werden sollen. Die gute Nachricht: Trotz aller Kompromisse im Gesetzgebungsprozess ist eine dreijährige generalistische Ausbildung mit dem Ziel eines neuen Berufsbildes möglich.

3. Regionales, trägerübergreifendes Netzwerk bilden:
Die Vielfalt der notwendigen Kooperationsbeziehungen sowie die Notwendigkeit, die vorgesehenen Wahlmöglichkeiten sicherstellen zu können, erfordern die Kooperation von Schulen, praktischen Ausbildungsträgern und möglichen Einsatzorten. Eine solche Zusammenarbeit, auch unter Einbeziehung der Prüfungs- und Gesundheitsbehörden, kann darüber hinaus dazu beitragen, ein bedarfsgerechtes und attraktives Ausbildungsangebot in der jeweiligen Region sicherzustellen.

4. Lernortkooperation gestalten: Zentrales Anliegen der Ausbildungsreform ist die Stärkung der praktischen Ausbildung. So sollen die strukturellen Veränderungen, wie beispielsweise die verpflichtende, refinanzierte Praxisanleitung im Umfang von zehn Prozent der praktischen Ausbildungsstunden, zu verbesserter Ausbildungsqualität führen. Die Vernetzung von theoretischer und praktischer Ausbildung ist neu zu gestalten. Konkret bedeutet das den intensiven Austausch über ein neues, gemeinsames Pflege- und Bildungsverständnis und die Entwicklung gemeinsamer Curricula. Ein solcher Austausch kann unter Beteiligung aller, inklusive der Schülerinnen und Schüler, in Form von Ausbildungskonferenzen institutionalisiert werden. Auch die Evaluation von Lehr- und Lernsequenzen und die Qualifizierung von Praxisanleitern mithilfe neuer Bildungsprogramme sind wichtig.

5. Alte Muster durchbrechen: Die theoretische Ausbildung ist häufig nach wie vor stark inhalts- und wenig kompetenzbezogen. Hier gilt es, die Lehrer in den Schulen so zu führen und zu qualifizieren, dass alte Denkmuster durchbrochen werden. Es braucht die Entwicklung eines neuen generalistischen Lehrverständnisses, das sich in konkretem, kompetenzorientiertem Lehrerhandeln im Unterricht und bei Lernerfolgsüberprüfungen zeigt.  

6. Agieren und reagieren: Die Ausbildungsverantwortlichen stehen seit langem motiviert in den Startlöchern, die Ausbildungsstrukturen und -prozesse an die neuen Vorgaben anzupassen. Viele Schulen haben jedoch mit Personalmangel zu kämpfen. Die Leitungen und Teams sollten deshalb auf der Grundlage einer realistischen Ressourcenabschätzung die notwendigen Schritte planen. Vor der Erstellung eines schulinternen Curriculums sollten Träger die Ergebnisse der Fachkommission und Ländervorgaben abwarten. Das schließt jedoch keinesfalls die vorbereitende Auseinandersetzung mit bereits zur Verfügung stehenden Instrumenten aus, wie  zum Beispiel dem Ausbildungsziel und den Kompetenzbeschreibungen der Anlagen eins bis vier der Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.

7. Profil bilden: Vieles wird in den verbleibenden Monaten bis zum Beginn der neuen Ausbildung in den Schulen passieren müssen, einiges davon parallel und unter Zeitdruck. Letztendlich wird sich jede Schule unter den neuen Rahmenbedingungen verändern und sollte für sich klären, wie ihr Schulprofil in Zukunft aussehen soll.

Der Autor
Jochen Vennekate ist Geschäftsführer der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe Aachen am Luisenhospital sowie Vorstandsmitglied des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbands (DEKV) und des Bundesverbands Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS).

 

 

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