Diversität

Mehr Männer arbeiten in der Pflege

Sozialunternehmen wollen mehr Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern. Dafür stellen sie an unterschiedlichen Hebeln, wie mehr Praxisorientierung, Geld oder soziale Anerkennung.

Einrichtungsleiterin Leuthe: Gebrochene Berufsbiografien sind Vorteil © Leuthe

BERLIN - Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit lässt keinen Zweifel am Frauenüberhang in Pflegeberufen: Sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren in der Altenpflege 84 Prozent Frauen und 16 Prozent Männer. In der Krankenpflege sieht es kaum günstiger aus. Dort wurden 81 Prozent Frauen und 19 Prozent Männer gezählt. Auch der Frauenanteil in den ambulanten Pflegediensten liegt bei weit über 80 Prozent. Das starke Ungleichgewicht wird besonders deutlich, wenn man den Gesamtarbeitsmarkt betrachtet, wo 46 Prozent der Beschäftigten Frauen sind und 54 Prozent Männer. rl

Sie haben 2013 das Video „Lust auf Altenpflege“ gedreht. Haben Sie dort besonders junge Männer angesprochen?

Wir haben in unserem Video „Lust auf Altenpflege“ beide Geschlechter angesprochen. Es treten sowohl sympathische junge Frauen als auch ansehnliche junge Männer auf. Aber das allein hat nicht dazu geführt, dass sich bei uns eine steigende Zahl von Männern um Ausbildungsplätze bewirbt. Wir gehen einen anderen Weg und sprechen Personen, die bei uns den Bundesfreiwilligendienst (BFJ) oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren proaktiv auf eine Ausbildung an. Da sind immer auch Männer dabei. Sie können besser als Schüler direkt nach dem Abschluss einschätzen, ob sie einen pflegerischen Beruf mögen – und durchhalten.

Ein Anreiz liegt auch in der Karriereplanung neuer Mitarbeitender. Vom ersten Tag an begleiten wir sie durch Gespräche und Förderung. Die Mitarbeitenden wissen die, dass sie mit Fort- und Weiterbildung ihre Aufgaben fachlich erweitern und ihr Gehalt verbessern können. So erhalten wir Führungskräfte, die praktisch gearbeitet haben.

Außerdem bilden wir Menschen aus, die bereits Lebenserfahrung und Berufserfahrung mitbringen. Gebrochene Berufsbiografien können ein Vorteil sein. Bei uns zeigen diese Menschen eine gute Ausdauer. Die meisten unserer Auszubildenden kommen aus dem nichteuropäischen Ausland erst in den BFJ oder das FSJ. Meist gelingt es mindestens ein Viertel der Plätze mit Männern zu besetzen. Unsere derzeit zwölf Auszubildenden kommen aus China, der Ukraine, Syrien, Bosnien Herzegowina, eine Auszubildende ist aus Polen und zwei sind aus Deutschland, darunter drei Männer.

Friederike Leute ist Einrichtungsleiterin des Bodelschwingh-Hauses in Erlangen

Unter Ihren Auszubildenden gibt es 60 Frauen und 40 Männer. Wie haben Sie das erreicht?

Als ich 2003 meine Abschlussprüfung hatte, waren nur zwei von 25 Pflegern männlich. Jetzt wird der Pflegeberuf für Männer interessanter, weil das Gehalt besser geworden ist. Wir hören auch häufig, dass sich Schüler bewusst dazu entscheiden, mit Menschen zu arbeiten statt etwas Handwerkliches zu tun.

Denn wir gehen an Schulen und beschreiben vor Gymnasiasten, Real- und Berufsschülern die abwechslungsreichen Aufgaben in der Pflege. Nach einem dreimonatigen Praktikum wissen die Schulabgänger, ob sie bei uns richtig sind. Außerdem sind wir Praktikumsträger für Menschen, die das Abitur oder den Realschulabschluss nachholen. Wer den Ausbildungsvertrag danach unterschreibt, bleibt.

Die Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern würde noch leichter erreicht, wenn der soziale Status der Pflegeberufe steigen würde. Noch immer herrscht die Meinung vor, Pfleger würden nichts Wertvolles tun. Hilfreich ist die aktuelle politische Diskussion über die wichtige Rolle der Pflege für die Gesellschaft. Das kommt vor allem bei den 20- bis 40-Jährigen an, die beruflich umsatteln wollen. Ich bin sicher, in zwei bis drei Jahren können wir nicht mehr sagen, dass Pfleger ein reiner Frauenberuf ist.

Jennifer Nyhsen-Stenske ist Pflegedienstleiterin im Franziskusheim in Geilenkirchen
stenske@franziskusheim-gk.de

zurück | drucken

Frage des Monats

Rechtspopulistische und -extreme Meinungen werden immer häufiger geäußert. Mussten Sie schon einmal auf solche Äußerungen von Kunden oder Mitarbeitern reagieren?

Ja

Nein


Ergebnisse

Die aktuelle Ausgabe

Titelthema: Agil führen

■ Strukturen neu denken
■ Kompetenzen abgeben
■ Irrtümer zulassen

weiter

Leider falsch - wir korrigieren

Alle Menschen machen Fehler – bei Journalisten sind sie leider gleich gedruckt. Manchmal rutscht uns eine missglückte Formulierung durch, manchmal eine falsche Zahl. Das tut uns leid. Hier finden Sie die Korrekturen.

Probleme auf der Webseite?

Falsche Darstellung, fehlerhafter Link, fehlende Funktion? Bitte melden Sie Probleme mit der Webseite unserem Administrator. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe! Fehler melden

 

Unser Wohlfahrt Intern E-Paper

Lesen Sie Wohlfahrt Intern jetzt auch als E-Paper

E-Paper hier öffnen

Seite weiterempfehlen