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Ausbildung
Aktualisiert am 30.04.2020 - 04:13

Auf veränderte Versorgung reagieren

Schulleiter Mahlmann © Caritas-Akademie St. Vincenz

In der Pflege sorgt die generalistische Ausbildung für mehr Zusammenarbeit und Weiterbildung. Auszubildende profitieren von den neuen Möglichkeiten, sagt Thomas Mahlmann, Leiter der Caritas-Akademie in Wiesbaden.

Vorbehalte gegenüber der Anfang des Jahres gestarteten generalistischen Pflegeausbildung sind noch lange nicht vom Tisch. Gerade die Ausbildungsträger der Langzeitpflege sorgen sich, dass wesentliche Inhalte der ehemaligen Altenpflegeausbildung in der generalistischen Pflegeausbildung verloren gehen und die Auszubildenden nicht mehr ausreichend auf das Berufsfeld der Altenpflege vorbereitet werden.

Berufsfeld Altenpflege hat sich verändert

Ein Blick auf die Aufgaben und Tätigkeiten, die Altenpflegefachkräfte heute ausüben, verdeutlicht jedoch, dass sich das Berufsfeld der Altenpflege in den letzten Jahren verändert hat. So haben die Multimorbidität und die damit verbundene Pflegebedürftigkeit der in den stationären Einrichtungen lebenden Menschen stark zugenommen. Zudem leben in vielen Einrichtungen mittlerweile auch jüngere schwerstpflege-bedürftige Menschen. Altenpflegefachkräfte arbeiten heute unter anderem in ambulanten Intensivpflegediensten und versorgen dort zum Beispiel künstlich beatmete Menschen aller Altersstufen. Fachkräfte bilden sich für diese Arbeit weiter, weil ihre Ausbildung die Spezialthemen nicht erfasst hat.  

Auch in den Kliniken hat sich die Klientel verändert. Die Grenzen zwischen den verschiedenen akutmedizinischen und langzeitpflegerischen Versorgungsbereichen verschwimmen auch dort. Krankenhäuser, mobile Pflegedienste sowie Altenpflegeeinrichtungen arbeiten in der Behandlung und in der Krankenhausnachsorge intensiver zusammen.

Generalistik ermöglicht gleiche Karrierechancen

Die generalistische Pflegeausbildung ist deshalb eine längst fällige Antwort auf die Veränderungen in der pflegerischen Versorgungslandschaft. Sie vermittelt zum einen sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse in den verschiedenen Bereichen und beinhaltet zum anderen die Pflege von Menschen aller Altersstufen. Erst im letzten Drittel der Ausbildung wählen die Azubis eine fachliche Vertiefung, die ihren Neigungen entspricht und die sie entweder in der Kinder-, Gesundheits- und Krankenpflege, in der Akutpflege oder in der ambulanten und stationären Langzeitpflege absolvieren. Nach der Ausbildung haben generalistisch ausgebildete Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner gleiche Karrierechancen in einem weit verzweigten Berufsfeld.

Auf das, was von Menschen heute gefordert wird, nämlich im Beruf mobil und flexibel zu sein, sind die Pflegefachkräfte besser vorbereitet. Aufgrund der einheitlich geregelten Finanzierung der Ausbildung entfällt außerdem in allen Bundesländern das zum Teil noch übliche Schulgeld. Damit ist der Zugang zur Ausbildung auch Menschen möglich, die sich das Schulgeld bisher nicht leisten konnten. Sämtliche Auszubildende erhalten eine Vergütung.

Abschluss in der EU anerkannt

Des Weiteren vermittelt die neue Pflegeausbildung eine gemeinsame Fachsprache sowie ein einheitliches Pflege- und Berufsverständnis. Das erleichtert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und unterstützt so eine institutionsübergreifende Versorgung von pflegebedürftigen Menschen. Neben den fachlichen Aspekten bietet die Generalistik auch Vorteile für jeden Einzelnen. So erhalten die zukünftigen Pflegefachfrauen und -männer eine EU-weite Anerkennung und können im europäischen Ausland arbeiten. Pflegekräfte erweitern ihr Fachwissen und schulen ihre Persönlichkeit, wenn sie eine Zeit lang in einem anderen Gesundheitssystem arbeiten.

Doch nicht nur Berufseinsteiger können sich entwickeln. Die Bundesagentur für Arbeit finanziert Qualifizierungsmaßnahmen für Menschen, die schon längere Zeit als ungelernte Kraft in der Pflege arbeiten. Das Qualifizierungschancengesetz fördert Berufsabschlüsse, auch in der Pflege. Wichtig ist, dass auch Teilqualifikationen kumuliert werden können. Träger erlauben Unterbrechungen zwischen verschiedenen Bildungsmodulen oder Ausbildung in Teilzeit. Das erleichtert Beschäftigten in der Sozialwirtschaft Beruf, Familie und Weiterbildung zu vereinbaren.

Der Autor

Thomas Mahlmann ist Schulleiter der Caritas-Akademie St. Vincenz in Wiesbaden.

thomas.mahlmann(at)akademie-caritas.de

 

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