Herausforderungen

Agilität ist nicht immer die Lösung

Immer mehr Unternehmen ersetzen klassische Organisationsformen mit flexiblen, eigenverantwortlichen Teamstrukturen. Warum die Transformation nicht immer gelingt, erklärt der Berater Johannes Woithon.

Berater Woithon © Nadine Stenzel

Agiles Arbeiten ist nicht immer ein Gewinn. Unter ungünstigen Voraussetzungen kann es eine Bremse für gesundes Wachstum sein. Wer glaubt, mit Agilität und innovativen Arbeitsplatz-Umgebungen automatisch ein gutes, produktives Betriebsklima zu schaffen, irrt. In agilen Teamstrukturen gilt es, kritisch zu hinterfragen, ob die Mitarbeiter im Team wirklich bessere Entscheidungen treffen als eine einzelne Führungskraft und die Leistungen in der selbstorganisierenden Gruppe wirklich besser sind als in klassischen Strukturen.

Woran agiles Arbeiten scheitern kann:

  1. Firmenkultur und Rahmenbedingungen schließen Agilität aus, Mitarbeitern fehlt es an der notwendigen Mentalität.

  2. Teammitglieder sind nicht in der Lage, selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu arbeiten.

  3. Selbst wer die Voraussetzungen erfüllt, ist nicht automatisch ein High-Performer innerhalb eines agilen Teams.

  4. Einzelne wollen die Führung – und damit die Macht – an sich reißen.

  5. Mitarbeitern ist nicht klar, wer über ein bestimmtes Thema entscheiden kann, es finden keine Abstimmungsprozesse statt.

  6. Aufkommende Konflikte können nicht konstruktiv und für alle zufriedenstellend gelöst werden.

  7. Es ist unklar, woran Erfolge gemessen werden und wer welchen Arbeitsbeitrag zu leisten hat.

  8. Es gibt keine ausreichende Fehlerkultur, die es zulässt, unterschiedliche Ansätze auszuprobieren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

  9. Es herrscht kein Vertrauen zueinander und in die eigene Kompetenz.

  10. Das Team kann oder darf zu wenig entscheiden, Aufgaben bleiben ungelöst.

Die Methode muss zu den Menschen passen

Es ist ein Mythos, dass Mitarbeiter motivierter sind, wenn sie sich ihre Arbeit selbst organisieren können. Je nach Persönlichkeit wünschen sich manche Kollegen klare Arbeitsaufträge und Feedback von einem Vorgesetzten. Nicht jeder will sich im Job selbst verwirklichen und für Entscheidungen mitverantwortlich sein. Mancher fühlt sich wohler, wenn er ein festes Aufgabenfeld hat. Agilität ist nicht für jede Aufgabenstellung, jedes Team oder jede Organisation sinnvoll. Die Methode, wie Arbeit im Unternehmen organisiert ist, muss zu den Menschen, Werten und Zielen einer Organisation passen.
 
Das heißt aber auch, dass agiles Arbeiten gelingen kann, wenn die Weichen richtig gestellt sind. Dafür braucht es, Struktur, (Selbst-)Disziplin, (pro-)aktives Engagement und Kommunikationskompetenz von allen Teammitgliedern. Ein zentraler Faktor ist vermutlich auch das „Eingebunden sein“ in Entscheidungsprozesse – auf die eine oder andere Art. Insbesondere, wenn diese den eigenen Arbeitsbereich betreffen. Dies gilt vor allem für die junge Generation.

Das Internet stellt alte Muster infrage

Den Auslöser des starken Mitentscheidungsdrangs der Jüngeren sehe ich in der Digitalisierung. Web 2.0-Techniken, die im Privaten selbstverständlich sind, stellen alte Beziehungsmuster zwischen Chefetage und Mitarbeitern in Frage. Denn das Internet besteht nicht aus Stufen, sondern aus Knoten. An diesen treffen Ideen, Impulse, Wissen, Innovationen, Mitarbeiter und Führungskräfte aufeinander und tauschen Informationen aus. Und weil sich Informationsflüsse noch nie kontrollieren ließen – wir denken an den guten, alten Flurfunk – ist Vertrauen die Essenz einer werteorientierten, vernetzten und digitalen Führungskultur.

Der Autor

Johannes Woithon ist Gründer der Berliner Softwarefirma Orgavision und berät seit mehr als 25 Jahren Unternehmen, vor allem aus der Sozialwirtschaft. Seine Schwerpunkte sind strategische Management-Beratung, Organisationsentwicklung, Führungskräfte-Coaching und Beratung zu komplexen Projekten mit mehreren Stakeholdern.
johannes.woithon(at)orgavision.com

zurück | drucken

Artikel weiterempfehlen

Frage des Monats

Kritiker bemängeln, dass die Bundesländer die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) verschleppen. Scheitert das BTHG?

Ja

Nein


Ergebnisse

Die aktuelle Ausgabe

Titelthema: Employer Branding

Wie Sozialunternehmen heißbegehrte Bewerber zu sich locken

weiter

Leider falsch - wir korrigieren

Alle Menschen machen Fehler – bei Journalisten sind sie leider gleich gedruckt. Manchmal rutscht uns eine missglückte Formulierung durch, manchmal eine falsche Zahl. Das tut uns leid. Hier finden Sie die Korrekturen.

Probleme auf der Webseite?

Falsche Darstellung, fehlerhafter Link, fehlende Funktion? Bitte melden Sie Probleme mit der Webseite unserem Administrator. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe! Fehler melden

 

Unser Wohlfahrt Intern E-Paper

Lesen Sie Wohlfahrt Intern jetzt auch als E-Paper

E-Paper hier öffnen

Seite weiterempfehlen