Entwicklung II

Nutzerinnen und Nutzer einbeziehen

Bei der Konzeption einer Plattform für soziale Dienstleistungen kann die Sichtweise der Zielgruppe helfen. So können praktikable Ideen entstehen, meint Thomas Herwig, Erfinder von Sociallook.net.

Geschäftsführer Herwig © Kreisjugendring Nordhausen

Welche Formulare brauche ich für den Antrag auf Arbeitslosengeld beim Jobcenter? Welche Behörde bearbeitet meinen Fall? Wie finde ich die richtige Unterstützung? Um Hilfebedürftige und Träger zuverlässig zusammenzubringen und Abläufe zu beschleunigen, statt sie mit fehlenden Informationen und Bürokratie auszubremsen, haben wir die Plattform Sociallook.net-Helfen 4.0 entwickelt. Hier vernetzen sich Hilfebedürftige mit dem gesamten Spektrum sozialer Leistungsträger und Institutionen wie Jugendämtern und der Eingliederungshilfe oder Jobcenter mit sozialen Trägern wie dem Kreisjugendring, der Diakonie und dem Jugendsozialwerk.

Partizipation steht im Vordergrund

Das Ziel der Plattform, die im Rahmen eines Innovationswettbewerbs des Thüringer Wirtschaftsministeriums gefördert wurde: Die Lebenswelt der jungen Menschen niedrigschwellig erschließen und ihnen ein Tool an die Hand geben, das sie zum Akteur ihres persönlichen Helfernetzwerkes macht. Online-Partizipation und Datensouveränität stehen dabei im Vordergrund.

Um Sociallook.net zu entwickeln, startete das hauptamtliche Team aus Ideenentwickler und Programmierer räumlich getrennt in klassischer Scrum-Manier mit einem minimalen Funktionsumfang, der im Kern schon die grundlegenden Aufgaben erfüllt. Zu den ersten Funktionen der Plattform gehörten Push-Nachrichten, Aufgaben anlegen, Dokumente teilen und die Datensicherheit in Form einer Rechtematrix, die nur der Datenbesitzer in seinen Händen hat. Klar war auch, dass das Angebot kostenlos sein sollte.

Als die Nutzerinnen und Nutzer für einen Testlauf einbezogen wurden, entwickelten sich sehr praktikable Ideen, um Termine mit Kalender- und Erinnerungsfunktion besser zu koordinieren, Behördengänge mitdigitaler Kommunikation zu sparen und sich selbst mithilfe persönlicher Meilensteine in Gang zu halten. Im Testverlauf nahmen zehn Institutionen mit rund 45 Mitarbeitenden teil, über 100 hilfebedürftige Menschen begleiteten wir unterstützend digital. Sociallook.net orientiert sich damit nicht nur hypothetisch an den Bedürfnissen der Leistungsempfänger, sondern hat sie frühzeitig am Konzeptions- und Entwicklungsprozess beteiligt. Co-Creation, also die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kundschaft, und Kundenzentrierung sind die Schlagworte.

Flexibel auf Änderungen reagieren

Bei der Programmierung von Sociallook.net  haben wir auf ein agiles Vorgehen gesetzt. So konnten wir extrem flexibel auf die häufigen Änderungen im Umsetzungsprozess reagieren. Mit einem zertifizierten Scrum-Master und einem digitalen Aufgabenboard haben wir die termingerechte Realisierung über räumliche Grenzen hinweg zum Erfolg geführt. Flexibel, transparent und reaktiv: Die Schlagworte aus dem agilen Arbeiten wurden erfolgreich in die Praxis umgesetzt.

2016 gewann Sociallook.net im Wettbewerb ,Modellhafte Projekte im Bereich Digitale Innovationen und Digitale Plattformen‘ des Thüringer Wirtschaftsministeriums. Und es geht weiter: Aktuell werden für das soziale Netzwerk weitere Partner gesucht, die für ihre Klientel ein ganz einfaches Instrument suchen, Termine zu vereinbaren, Aufgaben einzutragen und Nachrichten auszutauschen – alles per Handy und sicherer als mit WhatsApp. 


Der Autor

Thomas Herwig ist Geschäftsführer des Kreisjugendrings Nordhausen und Erfinder von Sociallook.net-Helfen 4.0.
t.herwig(at)kreisjugendring-nordhausen.de


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