Liquiditätsmanagement

Planung kritisch überprüfen

Eine neue gesetzliche Regelung erschwert die Liquiditätsplanung für Unternehmen. Für das Jahr 2019 könnte sie sogar hinfällig sein, warnen Tharmarajah Chelliah und Matthias Kock von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Concunia.

Wirtschaftsprüfer Chelliah © Concunia

Um regelmäßig und rechtzeitig ihre Rechnungen und die Gehälter von Mitarbeitenden zu bezahlen, sind Wohlfahrtsunternehmen darauf angewiesen, permanent  Liquiditätsreserven als Barvermögen oder auf dem Girokonto vorzuhalten.

Allerdings können diese liquiden Mittel ein Problem mit sich bringen: Sie arbeiten nicht für das Unternehmen oder bringen keinerlei Rendite. Stattdessen wird das Geld nur aufbewahrt und verursacht im schlechtesten Fall Kontoführungsgebühren oder bei höheren Volumina Negativzinsen.

Daher sollten Wohlfahrtsunternehmen versuchen, mit einem optimalen Liquiditätsmanagement die für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs notwendige Liquidität vorzuhalten, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Auf der anderen Seite sollten sie allerdings auch nicht zu viel kurzfristige Liquidität vorhalten, da ansonsten Mittel ungenutzt bleiben.

Kennzahlen ermitteln

Für Wohlfahrtsunternehmen ist es daher ratsam, bereits vor Beginn eines Ge-schäftsjahres eine Liquiditätsplanung aufzustellen. Was der erforderliche Betrag für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs ist, lässt sich anhand der sogenannten Liquiditätskennzahlen ermitteln. Dazu zählen insbesondere die Liquiditätsgrade und der Deckungszeitraum der Liquidität.

Liquiditätsgrad I:       
    Liquidität x 100
Kurzfristiges Fremdkapital

Liquiditätsgrad II:  
(Liquide Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens +Rechnungsabgrezung) x 100
                Kurzfristiges Fremdkapital

Liquiditätsgrad III: 
 Kurzfristige Aktiva x 100
Kurzfristiges Fremdkapital

Sind die Werte der Liquiditätsgrade zufriedenstellend, gilt das Unternehmen als liquide. Es droht also keine Zahlungsunfähigkeit. So können Geschäftspartner des Wohlfahrtsunternehmens problemlos neue Kredite vergeben oder Geschäfte vereinbaren.

Um die Kennzahlen als gut oder schlecht bewerten zu können, gibt es für alle Liquiditätsgrade einen groben Zielwert. Wenn das Wohlfahrtsunternehmen diesen Wert erreicht oder etwas höher liegt, kann es als optimal liquide eingestuft werden. Die Zielwerte lauten:

Liquidität 1. Grades: 30 bis 50%
Liquidität 2. Grades: 100%
Liquidität 3. Grades: 200%

Deckungszeitraum berücksichtigen

Eine weitere Kennzahl für das Liquiditätsmanagement ist der Deckungszeitraum der Liquidität in Tagen. Der Benchmarkwert für Wohlfahrtsunternehmen liegt je nach Hilfsfeld zwischen 30 und 50 Tage.

Deckungszeitraum der Liquidität in Tagen:        
       Kurzfristiger Liquiditätgrad II
monatlicher Finanzierungsbedarf x 30 Tage

Bei der Liquiditätsplanung sollten Träger regelmäßig wiederkehrende Aufwendungen und Erträge berücksichtigen. Dabei können auch Zinsen und Dividenden einen wichtigen Mittelzufluss darstellen. Dies betrifft insbesondere Wohlfahrtsunternehmen mit einem hohen Kapitalvermögen, wie zum Beispiel Förderstiftungen.

Gesetzgeber ändert Grundlage

Die von Wohlfahrtunternehmen erzielten Einkünfte aus Kapitalvermögen unterlagen bislang nicht dem Kapitalertragsteuerabzug, wenn sie beim zuständigen Kreditinstitut mit einer sogenannten Freistellungsbescheinigung nachgewiesen haben, dass sie steuerbegünstigte Zwecke im Sinne der Abgabenordnung verwirklichen.

Aufgrund einiger weniger Missbrauchsfälle im Rahmen von Cum/Cum-Geschäften  steuerbegünstigter Einrichtungen hat der Gesetzgeber die Grundlage für die Befreiung von Kapitalerträgen modifiziert. Sie unterliegen künftig einem 15-prozentigen Kapitalertragsteuerabzug, soweit die Beteiligung nicht mindestens seit einem Jahr im wirtschaftlichen Eigentum der steuerbegünstigten Einrichtung war und die Dividenden einen Freibetrag von 20.000 Euro pro Jahr überschreiten. Dies gilt unabhängig von der Vorlage einer gültigen Freistellungsbescheinigung. Im Rahmen der Körperschaftsteuerjahreserklärung können die Wohlfahrtsunternehmen sich den Kapitalertragsteuerabzug dann anrechnen oder erstatten lassen.

Viele Kreditinstitute haben sich aufgrund der komplizierten Rechtslage dazu entschlossen, Dividenden an steuerbegünstigte Körperschaften bereits bei Überschreitung des Freibetrags von 20.000 Euro dem Steuerabzug zu unterwerfen. Eine Prüfung der Dauer des wirtschaftlichen Eigentums erfolgt nicht, da dies von den Banken nicht zu leisten ist.

Dividendenerträge sinken

Insbesondere für Träger, die sich überwiegend aus Kapitalerträgen finanzieren, bedeutet dies, dass sie bereits 2019 voraussichtlich deutlich weniger Dividendenerträge vereinnahmen können als in den Vorjahren und somit ihre bisherige Liquiditätsplanung hinfällig sein dürfte. Deshalb sollten sie ihre Planung für das Kalenderjahr 2019 noch einmal kritisch überprüfen Zwar können sie sich die von den Banken einbehaltene Kapitalertragsteuer im Rahmen der Körperschaftsteuerveranlagung 2019 erstatten lassen. Das führt allerdings zu einem deutlich späteren Liquiditätszufluss.


Die Autoren

Tharmarajah Chelliah ist Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Concunia

Matthias Kock ist Steuerberater bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Concunia

Die Concunia Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unterstützt die Veröffentlichung und Verbreitung dieses Beitrags.











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