Ulrike Kostka

Wissenschaft als zweites Standbein

Nach einem Jahr im Kloster entschied sich Ulrike Kostka gegen ein Leben als Ordensschwester. Die habilitierte Theologin machte in der Wissenschaft Karriere und leitet seit 2012 die Caritas Berlin.

Caritasdirektorin Kostka © Maurice Weiss

Alter: 47
Arbeitgeber: Caritasverband für das Erzbistum Berlin
Funktion: Caritasdirektorin
Ausbildung: Katholische Theologie (Habilitation), Gesundheitswissenschaften (Diplom)

Nach ihrem Vordiplom in Katholischer Theologie trat Ulrike Kostka Anfang der Neunzigerjahre ins Kloster ein. „Ich wollte Schwester bei den Vinzentinerinnen werden, ihre Spiritualität hat mich sehr angesprochen“, erzählt sie. Doch nach einem Jahr habe sie gemerkt, dass das Ordensleben auf Dauer nicht das Richtige ist. „Ich war 22 und wollte noch mehr von der Welt sehen“, sagt Kostka.

Sie schloss ihr Theologiestudium und ein Studium der Gesundheitswissenschaften ab und arbeitete anschließend viele Jahre als Wissenschaftlerin. Sie forschte im Bereich Medizinethik in Washington, war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaft und Ethik in Bonn und habilitierte zum Thema Gerechtigkeit im Gesundheitswesen und in der Transplantationsmedizin.

Ethische Fragestellungen interessieren die 47-Jährige besonders. „Das Gesundheits- und Sozialwesen hat mich diesbezüglich immer gereizt, vor allem die Rolle von Wohlfahrtsverbänden“, sagt Kostka. Sie beschäftigte sich mit vielen Gedanken: Wie tragen die Verbände zu mehr Gerechtigkeit bei? Wie sieht eine gerechte Entlohnung von Mitarbeitenden aus? Was ist eine ethische Entscheidungskultur? 2003 wurde Kostka wissenschaftliche Assistentin von Peter Neher, dem Präsidenten des Deutschen Caritasverbands. Sie schrieb Reden für ihn und wurde 2005 Leiterin der Abteilung ,Theologische und verbandliche Grundlagen‘ des Verbands.

Der Wissenschaft blieb sie trotzdem treu, auch nach ihrem Wechsel als Direktorin zur Caritas Berlin im Jahr 2012. „Ich hatte immer zwei Standbeine, die Wissenschaft und die Caritas“, sagt Kostka. An der Universität Münster ist die Caritasdirektorin außerplanmäßige Professorin für Moraltheologie. „Die Arbeit der Caritas mit wissenschaftlichem Bezug zu sehen, macht mir besonders viel Freude“, sagt sie. Sie habe aber nie hauptberuflich Professorin sein wollen. Die konkrete Arbeit der Caritas, die Gestaltung von Sozialpolitik, habe sie immer mehr interessiert.



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