Ines Reimann-Matheis

Der Verband muss Stellung beziehen

20 Jahre lang hat Ines Reimann-Matheis im Jugendamt gearbeitet. Seit 2013 sorgt sie als Geschäftsführer der AWO Saarland dafür, dass sich der Verband in politische Debatten einbringt.

Geschäftsführerin Reimann-Matheis © AWO LV Saarland

Alter: 61
Arbeitgeber: AWO LV Saarland
Funktion: Geschäftsführerin
Ausbildung: Erziehungswissenschaften (Magister), Sozialpsychologie

Ines Reimann-Matheis ist froh, dass sie ihre Karriere im öffentlichen Dienst begonnen hat. „Ich habe 20 Jahre im Jugendamt gearbeitet und habe so in meinem Berufsleben beide Seiten kennengelernt, die freien und die öffentlichen Träger“, erzählt die Geschäftsführerin des AWO Landesverbands Saarland. Das hätte bei ihr das Verständnis für bestimmte Themen gefördert und die Arbeit erleichtert.

Dass Jugendämter in der öffentlichen Diskussion vor allem auftauchen, wenn Dinge schief laufen, findet die 61-Jährige schade. „Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass sich auf das gestürzt wird, was negativ ist“, sagt sie. Was Jugendhilfe im präventiven Bereich mache oder in der Familienhilfe, das würde man nicht so oft hören. „Die Arbeit von tausenden Menschen, die ihre Arbeit gut machen, steht eher nicht im Vordergrund“, kritisiert Reimann-Matheis.

Bei der AWO im Saarland fing sie 2003 an und war zunächst für das Qualitätsmanagement verantwortlich. „Das war ein klasse Einstieg, weil ich jedes Arbeitsfeld kennengelernt habe“, sagt sie. Mit über 300 Einrichtungen und rund 5000 Mitarbeitenden ist der Verband breit aufgestellt. Als sie 2013 Geschäftsführerin wurde, war sie mit der Arbeit an der Basis schon bestens vertraut. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Holger Wilhelm leitet sie den Landesverband. Er ist für die Verwaltung verantwortlich, sie für die fachliche Ausrichtung und das Qualitätsmanagement.

Reimann-Matheis ist es wichtig, dass der Landesverband zu aktuellen politischen Debatten Stellung bezieht. „2017 gab es bei uns die Aktion Strickalarm, wo über 500 Ehrenamtliche den längsten Schal des Saarlands gegen soziale Kälte gestrickt haben“, erzählt sie. Der 1600 Meter lange Schal wurde in Saarbrücken vorbei an allen sozialen Entscheidungsträgern gespannt: der saarländischen Staatskanzlei, dem Regionalverband Saarbrücken, bis zum saarländischen Landtag. „Es war eine symbolische Aktion, die auf das Thema Altersarmut aufmerksam machen sollte“, sagt Reimann-Matheis. Die damalige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer empfing die Protestierenden und nahm einen Teil des Schals entgegen.


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