Bernd Meurer

„Flächentarifverträge sind Planwirtschaft“

Bernd Meurer hält Flächentarife in der Sozialbranche für unangebracht. Im Interview mit Wohlfahrt Intern (Ausgabe 11/14) erklärt der Chef des Bundesverbandes privater Anbieter soziale Dienste (bpa), dass er in solchen gewerkschaftlichen Vereinbarungen einen Ausdruck von Planwirtschaft statt von Gerechtigkeit sieht.

bpa-Präsident Bernd Meurer

BERLIN – „Tarif ist ein Einheitsbrei, der nicht unbedingt gerechter ist“, sagt Bernd Meurer. Als Chef eines Verbandes, der die Interessen privater Arbeitgeber vertritt, setzt er sich für modernes Unternehmertum ein – und somit dafür, dass die Preise für Löhne und Gehälter durch den Markt statt durch die Politik geregelt werden. Einen Nachteil für die Arbeitnehmer sieht er dadurch nicht - im Gegenteil: „Ich vergüte nicht nur die Qualifikation auf dem Papier, sondern auch das, was ein Bewerber persönlich mitbringt. Da bin ich aus unternehmerischer Sicht bereit, übertariflich oder außerordentlich gut zu bezahlen.“

Zulagen statt Tarife

Bernd Meurer ist sich sicher, dass seine Lohnpolitik bei den Arbeitnehmern gut ankommt, auch wenn er sich einem Tarifvertrag nicht hingeben will. Schließlich entschieden sich die Fachkräfte ja nicht gegen die Arbeit bei einem freien Träger, weil er so „schöne braune Augen“, gibt Meurer zu bedenken. Für faire Gehälter gebe es daher ein Grundgerüst plus Zulagen. „Wir haben beim bpa eine Systematik, die etwa die Position und die Verantwortung des Mitarbeiters berücksichtigt“, so Meurer, „dann gibt es noch Leistungszulagen, je nachdem wie ein Mitarbeiter die Position und die Verantwortung ausfüllt“.

Ständiges Wachstum als Grundphilosophie

Den Vorwurf der freigemeinnützigen Träger, als privater Anbieter würde er mit Billigpreisen den Wettbewerb unterlaufen, kann Meurer indes nicht nachvollziehen. „Die Wohlfahrt wird ja nicht gezwungen, am Wettbewerb mit den privaten Anbietern teilzunehmen“, sagt der 57-Jähriger, der in Bayern und Rheinland-Pfalz selbst drei Pflegeheime betreibt. Denn schließlich seien es ja nicht dieselben Ansprüche, mit denen mildtätige und freie Träger auf dem Sozialmarkt unterwegs seien: Während private Anbieter sich über ständiges Wachstum definierten, wisse er nicht, ob das auch die Motivation der wohltätigen sein müsse.

Anreize für Investoren schaffen

Wie er sich angesichts guter Mitarbeitergehälter auf der einen Seite, aber fehlender staatlicher Unterstützung auf der anderen Seite gegenüber den Wohlfahrtsverbänden über Wasser halten kann, darüber kann Meurer im Wohlfahrt Intern-Interview nur spekulieren: „Ich nehme an, dass unsere Strukturen schlanker sind. Ich kenne ja die betrieblichen Zahlen der Wohlfahrtsunternehmen nicht – die gehen mich auch nichts an.“ Wo er sich hingegen sicher ist: Dass es in den kommenden Jahren für alle Anbieter in der Pflege genug zu tun gibt. Aber weil der Staat aus seiner Sicht als Finanzier ausfällt, ist er jetzt schon auf der Suche nach Investoren. Die will er indes nicht mit unglaublichen Gewinnspannen, sondern mit gesundem Wachstum locken. ols

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