Kongress der Sozialwirtschaft

Die vernetzte Gesellschaft sozial gestalten

Auf dem zehnten Kongress der Sozialwirtschaft ging es um Trends und die Zukunft der Branche. Kritik an der Branche kam aus der Start-Up-Szene. Die Sozialwirtschaft muss sich weiter öffnen.

© Viktoria Kühne/sozkon2017

MAGDEBURG – „Den Kunden interessiert die Finanzierung nicht.“ Mit diesen deutlichen Worten rief der Vorstandsvorsitzende von Agaplesion, Markus Horneber, seine Kollegen zum Perspektivwechsel und zu mehr Innovation auf.

Megatrends nutzt der Agaplesion-Chef um Makrotrends für die Unternehmensstrategie abzuleiten. Für Agaplesion geht es in Zukunft deshalb um Individualisierung, Style und Digitalisierung.

Der Jubiläumskongress stand in diesem Jahr ganz im Zeichen von Fortschritt und Zusammenarbeit. Neben der Digitalisierung befassten sich die 400 Gäste in den Workshops mit Themen wie sozialer Vernetzung, Globalisierung und Innovation. Weitere Themen waren Ökonomisierung und der demografische Wandel.

Gemeinsame Umsetzung

Wie Trends erfolgreich umgesetzt werden können, zeigte Horneber an einem Projekt des Konzerns im Krankenhaus in Holzminden. Die Betten des Hauses wurden mit einem Indoor-GPS ausgestattet. Informationen über Standort und Reinigung können einfach per App abgerufen werden. Das sparte Zeit und Geld. Doch das System hat Agaplesion nicht selbst entwickelt. Der Konzern arbeitete bei der Umsetzung mit dem Berliner Start-Up Simplinic zusammen.

Zuvor mahnte der Physiker und Dozent für den Bereich Innovationsförderung Harald Preissler an, die Gewohnheiten der Klienten einzubeziehen. Was bedeutet es für die Sozialwirtschaft, wenn Menschen zunehmend Serviceleistungen in Anspruch nehmen oder wie reagieren die Träger auf die Selbstvermessung der Patienten per App?

Antworten auf die selbstgestellten Fragen gab es von Preissler keine, denn die vernetzte Gesellschaft sei ambivalent, so der Physiker. „Bei diesem Trend geht es um Deutungshoheit, Leitbilder und Relevanz.“

Innovation etablieren

Praxisbezogener waren die acht Workshops des Kongresses. Petra Fasching etwa stellte in einem Beitrag die Innovationsabteilung der Caritas in Wien vor. Die Projektmanagerin sorgt seit etwa dreieinhalb Jahren bei der Wiener Caritas für Innovation. Die Pädagogin und Betriebswirtin war zuvor selbst Gründerin eines Start-Ups bevor sie zu dem Verband wechselte.

Gemeinsam mit der Geschäftsführung etablierte Fasching innovative Strukturen im Unternehmen. Jede Abteilung hat jetzt einen Innovationsverantwortlichen, die Mitarbeiter konnten in Studienreisen mehr über Start-Ups erfahren, es wurden Plattformen zum Austausch geschaffen und ein Wettbewerb hat bisher 219 Innovationsideen hervorgebracht. Ziel des Projektes ist eine innovative Gesamtorganisation.

Auszeichnung beste Sozialkampagne

Eine innovative Idee hatten die Gründer von ‚Rechts gegen Rechts‘. Die Gewinner des Kampagnen-Wettbewerbs der Bank für Sozialwirtschaft erhielten auf dem Kongress für ihr Projekt 10.000 Euro. Gemeinsam mit Anwohnern und Unternehmen der Kleinstadt Wunsiedel haben die Initiatoren Geld für einen unfreiwilligen Spendenmarsch gesammelt. Für jeden gegangenen Meter eines Nazi-Aufmarsches in der Stadt spendete die Initiative 10 Euro an das Aussteigerprogramm für Neonazis ‚Exit-Deutschland‘.

Den zweiten Kongresstag nutzten die Veranstalter für den Austausch. „Was denken High-Potentials über die Zukunft der Sozialwirtschaft?“, lautete das Dialogthema. Auf dem Podium diskutierten hierzu Malte Bedürftig, Gründer der Freiwilligenplattform GoVolunteer, Sarah Hüttenberend, Gründerin des Zweitzeugen-Projektes für Schoah-Überlebende Heimatsucher und die Gründerin von ‚querstadtein‘ Sally Maria Ollech, ein Projekt das Stadtrundgänge mit Obdachlosen anbietet.

Kritik aus der Gründerszene

Die drei Gründer bemängelten zu wenige Formate um mit der etablierten Sozialwirtschaft ins Gespräch zu kommen. Dass es überhaupt Berührungspunkte gäbe, läge oft an Einzelpersonen. Ollech kritisierte zudem, mangelnde Diversität bei Veranstaltungen der Sozialwirtschaft.

Gleichzeitig zeigten sich die drei Gründer bereit Kooperationen mit den Verbänden einzugehen. Beide Seiten könnten davon gewinnen. „Uns fehlt es an Erfahrung, Strukturen, Sicherheit und Führung“, so Hüttenberend. Auf der anderen Seite können die Sozialunternehmen von der interdisziplinären Arbeitsweise von Start-Ups profitieren. Und schließlich auch von der Mentalität. „Man muss es einfach mal machen“, so die Vereinsvorsitzende.

Der Zukunftsforscher Eckard Minx bestärkte die jungen Gründer in ihrer Meinung. „Wir vergessen andauernd, dass nicht die Planung, sondern das Handeln entscheidend sind“, so der Forscher im Abschlussvortrag. Fehler seien ungeplante Investitionen in die Zukunft. te

Lesen Sie einen ausführlichen Veranstaltungsbericht in der kommenden Ausgabe. (Wohlfahrt Intern hier bestellen)

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